Was ist der Stundensatz?
Der Stundensatz ist der Betrag, den ein Betrieb je geleisteter Arbeitsstunde in Rechnung stellt. Er muss die vollen Kosten decken und einen Beitrag zum Unternehmensergebnis leisten.
Er hat nichts mit dem Stundenlohn des Mitarbeitenden zu tun – zwischen beiden liegen Lohnnebenkosten, unproduktive Zeiten, Gemeinkosten und Gewinn.
Stundenlohn, Stundensatz, Verrechnungssatz
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Stundenlohn | Bruttolohn des Beschäftigten je Stunde |
| Selbstkosten je Stunde | Vollkosten des Betriebs je produktiver Stunde |
| Stundensatz oder Stundenverrechnungssatz | der dem Kunden berechnete Satz |
Im Handwerk ist der Ausdruck Stundenverrechnungssatz üblich. Gemeint ist dasselbe: der kalkulierte Verkaufspreis einer Arbeitsstunde.
Die Rechnung in vier Schritten
Schritt 1: Personalkosten je Jahr
Grundlage ist nicht der Bruttolohn, sondern die tatsächliche Belastung des Betriebs:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Bruttolohn (3.400 € × 12) | 40.800,00 € |
| + Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (rund 21,15 %) | 8.629,20 € |
| + Umlagen und Unfallversicherung (Annahme 3 %) | 1.224,00 € |
| = Personalkosten je Jahr | 50.653,20 € |
Für Baubetriebe kommen die Beiträge an die Sozialkassen hinzu; die tatsächliche Belastung liegt dort spürbar höher. Näheres im Beitrag zur Lohnabrechnung.
Schritt 2: Produktive Stunden je Jahr
Hier entscheidet sich die Kalkulation.
| Position | Stunden |
|---|---|
| Jahresarbeitszeit (52 Wochen × 40 Std.) | 2.080 |
| − Urlaub (30 Tage) | −240 |
| − Feiertage (11 Tage) | −88 |
| − Krankheit (Annahme 10 Tage) | −80 |
| = Anwesenheitsstunden | 1.672 |
| − unproduktive Zeiten (Annahme 15 %) | −252 |
| = Produktive Stunden | rund 1.420 |
Unproduktiv sind Zeiten, die anfallen, aber keinem Auftrag berechnet werden können: Rüsten, Lagerfahrten, Werkzeugpflege, Unterweisungen, Weiterbildung, Wartezeiten.
Der Anteil schwankt erheblich zwischen Gewerken und Betrieben. Die 15 Prozent sind eine Annahme, kein Erfahrungswert für jeden Fall.
Schritt 3: Gemeinkostenzuschlag
Auf die Selbstkosten je Stunde wird der Anteil aufgeschlagen, den die Struktur des Betriebs verursacht – üblicherweise zwischen 20 und 40 Prozent, je nach Fuhrpark, Werkstatt und Verwaltung.
Schritt 4: Wagnis und Gewinn
Ein Zuschlag für unternehmerisches Risiko und Ergebnis, verbreitet zwischen 5 und 15 Prozent.
Vollständiges Rechenbeispiel
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Personalkosten je Jahr | 50.653,20 € | |
| ÷ produktive Stunden | 50.653,20 ÷ 1.420 | 35,67 € |
| + Gemeinkosten 25 % | 35,67 × 1,25 | 44,59 € |
| + Wagnis und Gewinn 8 % | 44,59 × 1,08 | 48,16 € |
| Stundensatz gerundet | 48,00 € |
Aus einem Bruttolohn von 22 Euro je Stunde wird damit ein Stundensatz von rund 48 Euro – mehr als das Doppelte.
Die eigenen Werte lassen sich mit dem Arbeitgeberkosten-Rechner im Beitrag zur Lohnabrechnung nachrechnen.
Der häufigste Fehler
Er liegt nicht bei den Zuschlägen, sondern bei den Stunden.
Wer die Anwesenheitsstunden von 1.672 als Basis nimmt, statt der 1.420 produktiven, kommt zu einem deutlich niedrigeren Ergebnis:
| Basis | Stundensatz |
|---|---|
| 1.420 produktive Stunden | 48,16 € |
| 1.672 Anwesenheitsstunden | 40,90 € |
| Differenz | 7,26 € |
Bei 1.420 verkauften Stunden entspricht das rund 10.300 Euro im Jahr – je Mitarbeitendem.
Der Fehler ist besonders tückisch, weil er nirgends auffällt. Die Buchhaltung stimmt, die Rechnungen sind bezahlt, das Ergebnis ist trotzdem zu niedrig. Sichtbar wird er erst, wenn Aufträge nachkalkuliert werden.
Umgekehrt gilt: Wer den produktiven Anteil zu niedrig ansetzt, kalkuliert sich aus dem Markt.
Was in die Gemeinkosten gehört
- Verwaltung, Büro, Buchhaltung
- Fuhrpark: Leasing, Kraftstoff, Versicherung, Wartung
- Werkstatt, Lager, Miete
- Werkzeuge, Kleingeräte, Arbeitskleidung
- Software, Telefon, IT
- Versicherungen und Beiträge
- Marketing und Akquise
- nicht abrechenbare Zeiten der Bauleitung
Zwei Punkte werden häufig übersehen:
Fahrtzeiten. Sind sie Arbeitszeit und werden dem Auftrag nicht zugeordnet, erscheinen echte Auftragskosten als Gemeinkosten. Der Stundensatz wirkt dadurch günstig und ist es nicht.
Nacharbeit und Gewährleistung. Wer sie nicht einkalkuliert, deckt sie aus dem Gewinn.
Differenzierte Stundensätze
Ein einziger Satz für den ganzen Betrieb ist selten sachgerecht. Üblich ist eine Differenzierung nach:
- Qualifikation – Geselle, Vorarbeiter, Meister
- Tätigkeit – Montage, Service, Notdienst
- Einsatzart – Regieleistung oder Pauschalauftrag
- Maschineneinsatz – mit eigenem Gerätesatz
Der Satz für Regieleistungen liegt dabei regelmäßig über dem regulären Stundensatz, weil dort der Verwaltungs- und Nachweisaufwand höher ist.
Warum die Zahlen ohne Zeiterfassung nicht stimmen
Drei der vier Größen lassen sich aus der Buchhaltung ableiten. Die vierte nicht.
Personalkosten stehen in der Lohnabrechnung. Gemeinkosten stehen in der Buchhaltung. Wagnis und Gewinn sind eine unternehmerische Entscheidung.
Die produktiven Stunden stehen nirgends. Sie ergeben sich erst, wenn erfasste Zeiten einem Auftrag zugeordnet sind – und der Rest als unproduktiv sichtbar wird.
Wer diesen Wert schätzt, schätzt die wichtigste Größe der gesamten Kalkulation. Und die Schätzung fällt erfahrungsgemäß zu optimistisch aus, weil kurze Wege, Rüstzeiten und Wartezeiten unterschätzt werden.
Aus erfassten Projektzeiten ergibt sich der Wert dagegen unmittelbar: die Summe der auftragsbezogenen Stunden im Verhältnis zur bezahlten Arbeitszeit. Über mehrere Monate hinweg entsteht daraus ein belastbarer Betriebswert statt einer Annahme.
Ein Nebeneffekt: Dieselben Daten zeigen, welche Auftragstypen regelmäßig länger dauern als kalkuliert – und damit, ob nicht der Stundensatz das Problem ist, sondern die Zeitansätze.
Wie sich Kalkulation und erfasste Zeiten verbinden lassen, zeigt die Kostenrechnung für Betriebe im Handwerk.
Häufige Fragen zum Stundensatz
- Wie berechnet man den Stundensatz?Personalkosten je Jahr geteilt durch die produktiven Stunden ergibt die Selbstkosten je Stunde. Darauf kommen ein Gemeinkostenzuschlag sowie ein Zuschlag für Wagnis und Gewinn.
- Was sind produktive Stunden?Die Stunden, die tatsächlich einem Auftrag zugeordnet und berechnet werden können. Urlaub, Krankheit, Feiertage sowie Rüst-, Lager- und Wartezeiten zählen nicht dazu.
- Wie hoch ist ein üblicher Stundensatz im Handwerk?Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht. Er hängt von Lohnniveau, Gemeinkostenstruktur, Gewerk und Region ab und liegt regelmäßig beim Doppelten bis Dreifachen des Bruttostundenlohns.
- Was ist der Unterschied zwischen Stundenlohn und Stundensatz?Der Stundenlohn ist der Bruttolohn des Beschäftigten. Der Stundensatz ist der dem Kunden berechnete Preis und enthält zusätzlich Lohnnebenkosten, unproduktive Zeiten, Gemeinkosten und Gewinn.
- Was gehört in den Gemeinkostenzuschlag?Verwaltung, Fuhrpark, Werkstatt, Werkzeuge, Software, Versicherungen, Marketing sowie nicht abrechenbare Zeiten – alles, was anfällt, aber keinem Auftrag direkt zugeordnet werden kann.
- Warum ist die Zahl der produktiven Stunden so wichtig?Weil sie als Divisor in die Rechnung eingeht. Eine Abweichung von 250 Stunden verändert den Stundensatz im Beispiel um mehr als sieben Euro – bei jedem Auftrag.
- Sollte es einen einheitlichen Stundensatz geben?In der Regel nicht. Eine Differenzierung nach Qualifikation, Tätigkeit und Einsatzart bildet die tatsächlichen Kosten besser ab.