Was ist der Verrechnungssatz?
Der Verrechnungssatz — auch Stundenverrechnungssatz (SVS) oder Stundensatz — ist der Preis pro Arbeitsstunde, den ein Unternehmen seinen Kunden berechnet. Er ist nicht gleichzusetzen mit dem Stundenlohn des Mitarbeiters: Im Verrechnungssatz sind alle Kosten des Betriebs enthalten — Löhne, Sozialabgaben, Miete, Fahrzeuge, Versicherungen, Werkzeug — plus ein Gewinnzuschlag.
Der Verrechnungssatz ist das Herzstück jeder unternehmerischen Kalkulation: Zu niedrig angesetzt, deckt er keine Kosten. Zu hoch angesetzt, verliert man Aufträge. Die Handwerkskammern bieten kostenlose Beratung zur Verrechnungssatzkalkulation an — ein Überblick findet sich beim Zentralverband des Deutschen Handwerks.
Das Konzept gilt branchenübergreifend — von der Unternehmensberatung über den Pflegedienst bis zum Handwerksbetrieb. Im Handwerk und Bau ist der Stundenverrechnungssatz besonders relevant, weil Leistungen häufig nach Zeit abgerechnet werden und die Kalkulation direkt über Rentabilität oder Verlust entscheidet.
Bestandteile des Verrechnungssatzes
Der Verrechnungssatz setzt sich aus mehreren Kostenblöcken zusammen:
1. Lohnkosten Der Bruttolohn des Mitarbeiters — Grundlage für alle weiteren Berechnungen.
2. Lohnnebenkosten Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft, U1/U2/U3-Umlagen — ca. 20–22 % des Bruttolohns.
3. Lohnzusatzkosten (tarifliche Sozialaufwendungen) Urlaubsentgelt, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Feiertagslohn, Ausfallzeiten durch Schlechtwetter, SOKA-BAU-Beiträge im Baugewerbe. Im Bauhauptgewerbe können diese einen erheblichen Anteil ausmachen.
4. Gemeinkosten Alle Betriebskosten, die nicht direkt einem Auftrag zugerechnet werden: Miete, Fahrzeugkosten, Versicherungen, Werkzeug, Bürobedarf, Werbung, Unternehmerlohn, Weiterbildung.
5. Gewinnzuschlag Typischerweise 5–15 % — für Rücklagen, Investitionen und unternehmerisches Risiko.
6. Umsatzsteuer Der berechnete Netto-Verrechnungssatz wird mit 19 % MwSt ausgewiesen. Der Verrechnungssatz gegenüber dem Kunden ist immer der Bruttobetrag.
Die Formel
Verrechnungssatz (netto) =
(Lohnkosten + Lohnnebenkosten + Lohnzusatzkosten + Gemeinkosten + Gewinn)
÷ produktive Arbeitsstunden pro Jahr
Das Ergebnis ist der Netto-Stundensatz. Zuzüglich 19 % MwSt ergibt sich der Kundenpreis.
Die entscheidende Größe: Produktive Arbeitsstunden
Der häufigste Fehler bei der Verrechnungssatzkalkulation ist die Verwendung von Bruttoarbeitsstunden statt produktiven Stunden.
Produktive Stunden = Gesamtstunden − Ausfallzeiten
Ausfallzeiten, die nicht abrechenbar sind:
- Urlaub (gesetzlich + tariflich)
- Krankheitstage
- Feiertage
- Schlechtwetterausfall (Bau)
- Schulungen, Betriebsversammlungen
- Rüst- und Wegezeiten (sofern nicht abrechenbar)
- Leerlauf durch fehlende Aufträge
Beispiel: Ein Mitarbeiter hat vertraglich 220 Arbeitstage à 8 Stunden = 1.760 Stunden. Nach Abzug von Urlaub (25 Tage), Krankheit (10 Tage), Feiertagen (12 Tage) und sonstigen Ausfällen bleiben ca. 1.380–1.480 produktive Stunden. Wer mit 1.760 Stunden kalkuliert, kalkuliert zu billig.
Typische Verrechnungssätze 2026 nach Gewerk
Die Handwerkskammern empfehlen regelmäßig eine individuelle Kalkulation — Marktpreise können als Orientierung dienen, aber nicht als Ersatz:
| Gewerk | Typischer SVS (netto) |
|---|---|
| Elektriker | 65–90 € / Stunde |
| Sanitär / Heizung / Klima | 70–95 € / Stunde |
| Dachdecker | 55–80 € / Stunde |
| Maler / Lackierer | 50–70 € / Stunde |
| Maurer / Zimmerer | 55–75 € / Stunde |
| Schlosser / Metallbauer | 60–85 € / Stunde |
Diese Werte variieren je nach Region, Betriebsgröße und Kostensituation erheblich.
Verrechnungssatz und Zeiterfassung
Ohne korrekte Zeiterfassung ist keine verlässliche Verrechnungssatzkalkulation möglich — und keine Kontrolle, ob der kalkulierte Satz tatsächlich erreicht wird.
Produktivstunden ermitteln. Die Grundlage jeder Kalkulation ist das Wissen darüber, wie viele Stunden tatsächlich produktiv geleistet werden. Nur mit Arbeitszeitnachweis lässt sich der Anteil unproduktiver Zeiten messen.
Soll-Ist-Vergleich pro Auftrag. Wurde der Auftrag in der kalkulierten Zeit erledigt? Oder wurden mehr Stunden aufgewendet als geplant? Nur wer Zeiten pro Projekt oder Baustelle erfasst, kann nach Abschluss auswerten, ob der Verrechnungssatz gepasst hat.
Nachkalkulation. Der Vergleich von kalkulierten und tatsächlich geleisteten Stunden — die Nachkalkulation — ist das wichtigste betriebswirtschaftliche Kontrollinstrument im Handwerk. Sie funktioniert nur mit vollständiger Baustellenzeiterfassung.
- Arbeitszeiten mobil erfassen
- Baustellen und Projekte zuordnen
- Urlaub und Abwesenheiten verwalten
- Lohnabrechnung vorbereiten
- Auswertungen per Klick erstellen
Häufige Fragen zum Verrechnungssatz
- Was ist der Verrechnungssatz?Der Preis pro Arbeitsstunde, den ein Unternehmen seinen Kunden berechnet. Er deckt alle Kosten (Löhne, Nebenkosten, Gemeinkosten) und enthält einen Gewinnzuschlag — zuzüglich Umsatzsteuer.
- Was ist der Unterschied zwischen Stundenlohn und Verrechnungssatz?Der Stundenlohn ist, was der Mitarbeiter verdient. Der Verrechnungssatz ist, was der Betrieb dem Kunden berechnet — und liegt deutlich höher, weil er alle Betriebskosten und den Gewinn enthält.
- Wie berechnet man den Verrechnungssatz?Alle Jahreskosten (Löhne + Nebenkosten + Gemeinkosten + Gewinn) werden durch die produktiven Arbeitsstunden geteilt. Das Ergebnis ist der Netto-Stundensatz — zuzüglich 19 % MwSt der Kundenpreis.
- Was sind produktive Arbeitsstunden?Die tatsächlich abrechenbaren Stunden nach Abzug von Urlaub, Krankheit, Feiertagen, Schulungen und Leerlauf. Sie sind immer deutlich geringer als die Vertragsstunden.
- Wie hoch sollte der Verrechnungssatz sein?Das hängt von der individuellen Kostenstruktur ab. Typische Sätze im Handwerk liegen 2026 bei 55–95 Euro netto je Stunde. Eine individuelle Kalkulation ist Pflicht — Branchendurchschnittswerte sind nur Orientierung.
- Warum ist Zeiterfassung für den Verrechnungssatz wichtig?Weil produktive Stunden die entscheidende Kalkulationsgröße sind. Wer nicht weiß, wie viele Stunden tatsächlich verrechenbar sind, kalkuliert falsch — meist zu billig.